Hier erscheinen regelmäßig aktuelle Glossen, die in abgewandelter 
Form in Chemnitzer Tageszeitungen veröffentlicht wurden. 

von Eckard Lange

Kommen Sie gut durch das Sommerloch!

Aber vielleicht fallen Sie gar nicht rein - in das Sommerloch? Weil Sie sich den Sommer mit Arbeit vertreiben dürfen? Sie gehören zu den Glücklichen, die welche haben? Ganze Berufsgruppen werden allerdings jedes Jahr wieder gezwungen, kollektiv Urlaub zu machen. Ich meine jetzt nicht die Arbeitslosen! Nein! Für Lehrer, Kabarettisten, Politiker und alle anderen Komiker fällt mit Ferienbeginn der Ham-mer. Die Schule, das Theater oder das Parlament werden einfach ab-geschlossen. Wer nicht rechtzeitig raus gekommen ist, kann sich 4 Wochen lang von Schnürsenkeln und Wischwasser ernähren, um überhaupt zu überleben. Hat’s alles schon gegeben!
Daß Politiker im Sommer eine Zwangspause machen müssen, finde ich sehr sinnvoll. Das Volk muß sich auch mal von seinen Peinigern er-holen. Allerdings kommen dann immer die Medien, unsere geistigen Müllaufberei- tungsanlagen, in eine Sinnkrise. Denen fallen zu Ferienbeginn schlagartig die Zulieferer weg. Für die Paparazzi ist dann Stress angesagt. Die berüchtigten Enthüllungsorgane wie BILD und Spiegel greifen dann einmal jährlich nur noch auf nackte Tatsa-chen zurück. Dann gibt es abwechselnd den Kanzler/die Kanzlersgattin oben ohne - Krawatte oder unsere Ängie Merkel in einer verfänglichen Situation - der Wirtschaft hinten drin.
Nicht nur nur die Medien fallen in ein tiefes Loch, auch so manche Familie starrt zu Beginn des Urlaubs entgeistert in das Sommer - Haushaltloch. Aber Urlaub muß sein! Urlaub ist in Deutschland ein Statussymbol. Wer sich nicht als soziale Randgruppe outen will, muß Urlaub machen. Möglichst in Spanien oder Italien! Aber das können sich immer weniger leisten. Meine Nachbarn fahren seit Jahren nach Italien. Jedesmal sitzen die dann anschließend braun wie die Südsee-insulaner auf ihrem Balkon und lassen sich bewundern. Im letzte Jahr wirkten sie allerdings irgendwie getresst und hatten so ein nervöses Flackern in den Augen.
Bis ich dann Nachbars Jungen (11) in der Videothek gesehen habe, als der gerade 25 Italienvideos abgegeben hat. Ich frage: “Na, wie war’s denn so in Italien, Kevin?” Da bricht’s aus ihm heraus: “Mir wor’n gor ni in Iddahlschn. Mir wor’n de ganze Zeit daheeme in dr Bude! Und’s gab nur Viddschohs un Spaghetti. Unn de Mamma is jetzt schwanger. Schöner Mist, sagt mei Babba.” Also dann: ‘Nen schönen Sommer!

 

Sparen, Sparen nochmals Sparen

Ich bin von Natur aus sparsam. Ich drehe jeden Euro zweimal um - bevor ich ihn wieder in die Hosentasche stecke. Erst wenn ich ihn das zweite Mal in der Hand halte und ich ihn wieder zweimal um gedreht habe, gebe ich ihn aus. Vielleicht! Dadurch gelingt es mir seit Jahren, die Kriterien des familiären Stabilitätspaktes einzuhalten. Und unsere Neuverschuldung (Dispo!) hält sich in Grenzen. Da ist unser Hans im (Un)Glück nicht so gut dran. Der hat keinen Euro mehr, den er ausgeben kann. Die Vorgängerregierung hat ihm Schulden über Schulden hinterlassen. Namentlich ein gewisser Eichel! Da werden wir die nächsten Jahre dran zu knaupeln haben. Wenn die Haushaltkasse leer ist, klemmt’s auch mit dem Taschengeld für die Kinder. Sprich die Kommunen! Denen bleibt gar nichts anderes übrig als auch zu sparen. D. h. Geld kann nur noch für das Wesentliche ausgegeben werden. Z. B. für eine Schnellstrasse durch ein Wohngebiet oder ein Autobahnzubringer für das Rathaus. Aber um Geld zu sparen, ist uns nichts zu teuer. Hat sich Chemnitz ein Gutachten für über 100 Tausend Euro anfertigen lassen. Aber es hat sich gelohnt! Eine gute Idee der Gutachter finde ich z.B., die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu bitten, ihren Kinder-Erziehungsurlaub voll auszukosten. Das senkt die Personalkosten! Die sind nun mal der grösste Batzen im Etat! Ich könnte mir vorstellen, dass alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung verpflichtet werden könnten, alle fünf Jahre drei Jahre unbezahlten Erziehungsurlaub zu nehmen. Und zwar unabhängig von Dienstjahren, -stellung und Alter! War doch nur ‚nen Vorschlag. Das alles hat euch der Eichel eingebrockt, weil der seine Finanzen nicht im Griff hat. Den müsste man absetzen können – wenigstens von der Steuer! Als aussergewöhnliche Belastung!

 

Bombenstimmung

Es gibt schon Bombenkerle. Wenn die in Stimmung sind, geht man am besten in Deckung. Wenn die durch einen blöden Zufall auch noch eine Bombe in die Hand kriegen, fangen die dann an, mit dieser wild um sich zu schmeißen. Man denkt, dann sollte man die denen einfach wegnehmen. Aber nimm mal einem Kind das Spielzeug weg! Die haben doch immer neue Ausreden, warum die gerade jetzt ihr Spielzeug nicht hergeben können. Da kommt Stimmung auf. Bombenstimmung! Und wer ist dann schuld an der ganzen Bomberei? Das Böse! Der Satan persönlich ist auf die Welt gekommen, um da Gute zu besiegen. Aber das lassen die Guten nicht zu. Und wenn so ein guter Bombenkerl auf die Idee kommt, daß er die Welt retten muß, hat er auch gleich eine Bombenidee. Was anderes fällt denen auch nicht ein. Was einfällt, sind dann die Behausungen - auch der Beschützten. Sorry! Das sind Begleitschäden. Die sind nicht zu vermeiden, vor allem bei schlechtem Wetter. Da kann man Freund und Feind so schlecht auseinanderhalten, weil sich der Feind listig tarnt, um den Bombenkerlen ihren Bombenjob zu vermiesen. Aber die lassen sich ihre Bombenlaune nicht verderben. Und wie sind die weiteren Aussichten? Bombig

 

Die lügen doch alle

Die lügen doch alle ohne rot zu werden. Das ist so ein Satz, der einem so richtig runter geht. Wie ranziges Nasenöl! Wir doch nicht, heißt das! Dabei lügen wir alle wie die Weltmeister im Dauer- schwindeln! Das fängt doch schon früh an, wenn wir mufflig und unausgeschlafen “Guten Morgen” sagen. Geht weiter, wenn wir einen Bekannten treffen und den fragen: Wie geht’s denn so? Interessiert uns eigentlich gar nicht. Und der antwortet im allgemeinen: Supperundselbst? Hat natürlich gelogen. Man sieht’s ihm an, daß es ihm auch nicht gut geht. Und wir antworten selbstverständlich: Auchsupper! Lügen gehört zu unserer Kultur wie Bratwurst und Schunkeln! Denn die Wahrheit will keiner hören. Die ist häßlich und unbequem.
Und da verlangen wir von unseren Politikern, daß sie die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen sollen? Und auch noch im Wahlkampf! Meine Herrschaften, wer im Wahlkampf nicht lügt, ist unglaubhaft! Das wissen alle! Auch wir! Oder hätten Sie den Großen Alzheimer 1990 gewählt, wenn er Ihnen statt blühender Landschaften eine Industriebrache voller Disteln und Brennesseln versprochen hätte? Na also!
Wen Sie nun wählen sollen? Ganz einfach: Den, der am schönsten lügt, so daß man das glatt für die Wahrheit halten könnte! Und machen Sie sich da bloß keine Gedanken. Selbstbetrug ist noch die harmloseste Form von Betrug! Und nicht strafbar!



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